Behandlung nach 13 Zyklen. Häufigste Gründe für ein vorzeitiges Behandlungsende bei den 848 Studienab- brechern waren Kontaktverlust (33,8 %), gefolgt von einer Zurücknahme der Studieneinwilligung (21,5 %) und nicht blutungsbezogenen AE (15,3 %). In der Altersgruppe der 16- bis 35-jährigen Frauen kam es unter der kontrazeptiven Behandlung zu 26 Schwan- gerschaften. Das entsprach einem Pearl-Index von 2,65 (95 %-KI 1,73–3,88), bezogen auf 1.524 Frauen mit insge- samt 12.763 risikoexponierten Zyklen. In 11 Fällen waren die Schwangerschaften auf eine unzureichende Com- pliance bei der Anwendung des KOK zurückzuführen, und insgesamt 14 Schwangerschaften wurden als Methoden- versagen eingestuft, entsprechend einem Pearl-Index von 1,43 (95 %-KI 0,78–2,39). Die kumulative Schwanger- schaftsrate für 13 Zyklen (Kaplan-Meier-Schätzung) be- trug insgesamt 2,06 % (95 %-KI 1,40–3,04) und aufgrund von Methodenversagen 1,18% (95 %-KI 0,69–2,01). Eine planmäßige Regelblutung erfolgte pro Zyklus bei 82,9 % bis 87,0 % der Frauen, ihre mediane Blutungsdauer betrug 4,5 Tage. Die Häufigkeit unplanmäßiger Blutungen und/oder Schmierblutungen, bezogen auf die Zahl betrof- fener Frauen, verringerte sich von 30,3 % im 1. Zyklus auf 21,3 % bis 22,1 % im 2. bis 4. Zyklus und blieb danach auf niedrigem Niveau (zwischen 15,5 % und 19,2 %). Die häufigsten AE waren Kopfschmerzen (5,0 %) und Metrorrhagie (4,6 %). Das Körpergewicht der Studienteil- nehmerinnen blieb nahezu konstant, nur 0,5 % beendeten die Studie wegen Gewichtszunahme vorzeitig. Die Analyse des Pearl-Index in Abhängigkeit von demo- graphischen, anamnestischen und verhaltensbezogenen Parametern bei den Studienteilnehmerinnen führte zu sehr aufschlussreichen Ergebnissen, die möglicherweise die gegenüber der europäischen Studie etwas ungünstigeren Ergebnisse erklären könnten. Ein überdurchschnittlich hohes Schwangerschaftsrisiko bestand demnach in fol- genden Subgruppen: • In der jüngsten Altersgruppe der 16- bis 25-Jährigen (Pearl-Index 3,07 [95 %-KI 1,68-5,14]), • bei Uni- und Multipara (Pearl-Index 4,60 [95 %-KI 2,72–7,27]) und • bei schlechter Compliance (Pearl-Index 6,22 [3,31–10,64]). Diese Risikofaktoren für ungewollte Schwangerschaften be stätigten sich auch in einer gepoolten Analyse beider Phase-III-Studien (siehe Abschnitt 6.1, Jensen et al., 2022). Volker Bartsch Fact Box Nordamerikanische Phase-III-Studie Gute kontrazeptive Wirksamkeit von E4/DRSP mit einem Pearl-Index für Methodenversagen von 1,43 Schwangerschaften pro 100 Frauenjahre (die Pearl-Indizes in US-amerikanischen Studien sind zumeist höher als die in EU-Studien; Gründe könnten u. a. sozioökonomischer Natur sein oder auf die unterschiedlichen Gesundheitssysteme zurückzuführen sein). Regelmäßiges Blutungsmuster bei den meisten Frauen in den meisten Zyklen. Gutes Sicherheitsprofil und hohe Konstanz des Körpergewichts. Kein Fall einer venösen Thromboembolie. 6. GEPOOLTE AUSWERTUNGEN DER BEIDEN PHASE-III-STUDIEN 6.1 Gepoolte Analyse der kontrazeptiven Wirksamkeit In der Analyse von Jensen et al., 2022 stand die Wirk- samkeit der oralen Kontrazeption mit E4/DRSP in den beiden Zulassungsstudien im Fokus. Die primäre Wirk- samkeitspopulation umfasste 1.674 auswertbare Frauen im Alter von 16 bis 35 Jahren aus der US-amerikanischen/ kanadischen Studie und 1.353 Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren aus der europäisch-russischen Studie. Primärer Endpunkt der Analyse war der Pearl-Index bei Studienteilnehmerinnen im Alter von 16–35 Jahren, bezogen auf „Risikozyklen“. Der gepoolte Pearl-Index betrug je nach Definition von „Risikozyklen“ 1,52 (95 %-KI 1,04–2,16) gemäß FDA und 1,40 (95 %-KI 0,95– 1,99) gemäß EMA. Der Pearl-Index für Methodenversagen (und Risikozyklen nach FDA-Definition) lag bei 0,84 (95 %-KI 0,49–1,34). Die unter Behandlung eingetretene kumulative Schwangerschaftsrate bis zum 13. Zyklus, er- mittelt mittels Kaplan-Meier-Schätzung, betrug ins gesamt 1,28 % und durch Methodenversagen bedingt 0,73 % (95 %-KI 0,38–1,08). Damit bestätigen diese gepoolten Ergebnisse die hohe kontrazeptive Wirksamkeit von E4/DRSP aus den Einzelstudien. 14 www.jmdrev.online